Mercedes Diesel Nachrüstung - für welche Modelle erhältlich?

Seit Sommer 2019 erteilt das Kraftfahrt-Bundesamt die Allgemeine Betriebserlaubnis für verschiedene Systeme zur Diesel-Hardware-Nachrüstung. Bisher ist diese Lösung jedoch nur für Euro 5 Fahrzeuge verfügbar. Der große Vorteil solcher nachgerüsteter Fahrzeuge ist, dass mit ihnen auch Fahrverbotszonen befahren werden dürfen, aus denen ältere Diesel eigentlich ausgesperrt sind. Der Nachteil sind die hohen Kosten - mit über 3.000 Euro müssen Diesel-Fahrer rechnen. Unter Umständen übernimmt Mercedes-Benz einen Teil davon.

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Warum gibt es die Nachrüstung überhaupt?

Zahlreiche deutsche Städte überschreiten den von der EU vorgegebenen NOx-Grenzwert. Das liegt zu einem großen Teil an Diesel-PKW, die für einen großen Teil der Stickoxid-Emissionen sorgen. Nachdem sich im Zuge des Dieselskandals herausgestellt hat, dass nahezu alle Diesel auf der Straße sogar viel höhere NOx-Emissionen haben, als auf dem Prüfstand, geriet der Diesel immer mehr in Verruf und wurde für die schlechte Luft in deutschen Städten verantwortlich gemacht. Die Bundesregierung hat sich deshalb entschieden, zu handeln und im Oktober 2018 ein Konzept für saubere Luft vorgestellt, das das Sofortprogramm Saubere Luft 2017 bis 2020 ergänzen soll.
Unter anderem enthält es eine Förderrichtlinie für die Entwicklung von Systemen zur Hardware-Nachrüstung von Dieselkraftfahrzeugen. Hersteller können eine solche Förderung beantragen und werden dadurch bei der Entwicklung solcher Nachrüstsysteme finanziell unterstützt. Bereits im Juli 2019 erteilte das Kraftfahrt-Bundesamt die erste Allgemeine Betriebserlaubnis für ein System der Dr Pley SCR Technology GmbH. Bisher folgten sechs weitere Freigaben, auch für andere Hersteller.

Wie funktioniert die Diesel Nachrüstung?

Bei einer Diesel Hardware Nachrüstung werden einige Bauteile eingebaut, darunter ein AdBlue-Tank, ein SCR-Katalysator, ein Hydrolyse-Gerät und Stickoxid-Sensoren. Das Hydrolyse-Gerät wird dazu genutzt, das AdBlue zu Ammoniak zu verdampfen. Dieses Ammoniak ist letztendlich der Stoff, der das schädliche Stickoxid in Wasser und Stickstoff umwandelt. Normalerweise bildet sich Ammoniak erst bei Abgastemperaturen von 200 Grad, die gerade im Stadtverkehr nur selten erreicht werden. Da nach der Diesel Nachrüstung Ammoniak direkt in den Abgasstrom eingeführt wird (statt AdBlue, das erst noch in Ammoniak umgewandelt werden muss) funktioniert die Stickoxidreduzierung auch bei niedrigeren Temperaturen. Der Stickoxid-Ausstoß des Autos verringert sich somit. So werden Diesel-Fahrzeuge durch die Hardware Nachrüstung sauberer.

Damit die Systeme die Allgemeine Betriebserlaubnis erhalten, müssen sie mehrere Voraussetzungen erfüllen. So muss die Funktionsfähigkeit bei normalen Betriebsbedingungen für mindestens 100.000 km oder 5 Jahre gewährleistet sein. Die Systeme müssen bei Temperaturen von bis zu -7 Grad funktionieren. Auch darf das Auto nach der Umrüstung nicht lauter sein als vorher. Zudem darf sich der CO2-Ausstoß durch die Nachrüstung um maximal 6% erhöhen. So soll sichergestellt werden, dass die Autos nicht weniger NOx, dafür aber viel mehr CO2 ausstoßen und so nur der eine Schmutz durch den anderen ersetzt wird.

Für welche Mercedes Modelle ist die Diesel Nachrüstung erhältlich?

Zwei Hersteller bieten Nachrüstsysteme für Mercedes Diesel mit der Abgasnorm Euro 5 an: Dr. Pley und Twintec Baumot.

Twintec Baumot bietet die Nachrüstung mit einem BNOx-System für die folgenden Mercedes-Modelle an:

  • A-Klasse
  • B-Klasse
  • C-Klasse
  • CLA
  • CLS
  • E-Klasse
  • GLA
  • GLK
  • S-Klasse
  • SLK
  • Vito
  • Viano
  • Sprinter

Dr. Pley bietet an, die folgenden Euro 5 Diesel von Mercedes nachzurüsten:

  • A-Klasse
  • C-Klasse
  • CLS
  • E-Klasse
  • GLK
  • Jules Verne
  • Marco Polo
  • SLK
  • Sprinter
  • V-Klasse
  • Viano
  • Vito
  • Vito Tourer

Es stehen also inzwischen Nachrüstsysteme für fast alle betroffenen Modelle von Mercedes zur Verfügung. Allerdings gibt es solche SCR-Systeme, sowohl bei Fahrzeugen der Daimler AG, als auch bei anderen Herstellern, bisher nur für Diesel mit der Schadstoffklasse Euro 5.

Übernimmt Mercedes die Kosten für die Hardware Nachrüstung?

Jein. Unter bestimmten Voraussetzungen bietet die Daimler AG an, bis zu 3.000 Euro der Kosten zu übernehmen. Wobei dies nicht den gesamten Betrag decken wird. Einen Teil müssen die Autofahrer also auch aus der eigenen Tasche zahlen. Zudem gilt diese Unterstützung bei weitem nicht für alle. Stattdessen müssen zahlreiche Voraussetzungen erfüllt sein, um überhaupt für den Zuschuss berechtigt zu sein. Zunächst einmal gilt dieser nur für private Fahrzeughalter, die das Auto auch privat nutzen. Das Auto muss schon vor dem 02.10.2018 auf den Antragsteller zugelassen gewesen sein. Und das vermutlich größte Hindernis: Antragsberechtigt sind nur Personen, deren Erstwohnsitz in einer der von der Bundesregierung definierten Schwerpunktregionen liegt, in der die Luft besonders schlecht ist (bei Pendlern gilt hier der Ort der ersten Arbeitsstätte). Berlin gehört hier beispielsweise nicht dazu. So fallen viele Kunden durch das Raster und müssen die über 3.000 Euro für die Hardware-Nachrüstung selbst zahlen.

Diesel-Fahrverbot dank der Nachrüstung umgehen

Den hohen Kosten steht ein großer Vorteil gegenüber: Diesel mit der Norm Euro 5 dürfen trotzdem in Fahrverbotszonen einfahren, wenn sie über eine Hardware-Nachrüstung verfügen. Insofern ist dieser besonders für Autofahrer, die in Städten mit Fahrverboten wohnen, attraktiv. Dazu gehören bisher Hamburg, Berlin, Stuttgart und Darmstadt. Weitere Städte könnten folgen. Das Fahrverbot betrifft in erster Linie Diesel mit der Abgasnorm Euro 4, aber spätestens in einem zweiten Schritt (und bei den bisherigen Städten gilt dies bereits) auch Euro 5 Diesel. Die Abgasnorm selbst ändert sich durch die Nachrüstung zwar nicht, doch in der Zulassungsbescheinigung I (dem Fahrzeugschein) wird die Nachrüstung vermerkt. Dies gilt dann als Nachweis, dass Fahrverbotszonen befahren werden dürfen.

Die Deutsche Umwelthilfe hatte gegen die Länder geklagt, weil in über 30 Städten die NOx-Werte stark erhöht waren (und zum Teil immer noch sind). Die Städte und Länder versuchten zwar durch Maßnahmenpakete, die Werte zu senken, doch das war oftmals nicht ausreichend. So entschieden Gerichte immer wieder, dass Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge und zum Teil auch für Benziner eingeführt werden müssen. Diese haben, zusammen mit dem Abgasskandal allgemein, für einen großen Wertverlust bei Diesel Fahrzeugen gesorgt. Den natürlich sinkt die Nachfrage nach einem Fahrzeug, wenn dieses in einem Teil der Stadt nicht mehr genutzt werden darf. Das Fahrverbot in Stuttgart ist dabei besonders restriktiv. So dürfen Euro 4 Diesel die gesamte Stadt nicht mehr befahren, für Euro 5 Diesel gilt ein Verbot im Talkessel, sowie in den Stadtteilen Bad Cannstatt, Zuffenhausen und Feuerbach. Hier kann eine Nachrüstung Abhilfe schaffen.

Wer bietet die Nachrüstung für welche Autos an?

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat seit Juli 2019 sieben Allgemeine Betriebserlaubnisse für PKW Nachrüstsysteme erteilt (Stand Oktober 2020). Neben den oben bereits erwähnten Firmen Dr. Pley und Baumot erhielt auch die Oberland Mangold GmbH eine solche Freigabe. Diese bietet Nachrüstsysteme für Modelle von VW, Seat und Audi an. Baumot rüstet neben Mercedes Dieseln auch Modelle von  VW, Seat, Skoda und Audi um. Dr. Pley hat neben Systemen für Mercedes auch welche für BMW und Volvo im Angebot. BMW und Volvo weigern sich allerdings, die Nachrüstung zu bezuschussen. Und während Volvo wenigstens so weit geht, die Umrüstung vorzunehmen, ist selbst dies bei BMW nicht möglich. Betroffene Fahrer müssen sich hier an eine Mercedes Werkstatt wenden.

Das Software-Update im Abgasskandal

Die Autohersteller sind keine Fans der Hardware-Nachrüstung. Stattdessen bevorzugen sie das Software-Update, das natürlich deutlich günstiger ist. Doch für Verbraucher hören die Vorteile damit auch schon auf. Ganz im Gegenteil sogar. Denn zum einen ist noch nicht einmal klar, dass das Software-Update seinen Sinn erfüllt - die Reduzierung des Stickoxid-Ausstoßes. Denn Tests (unter anderem von der Deutschen Umwelthilfe und unabhängigen Instituten), haben gezeigt, dass die getesteten Fahrzeuge nach dem Update genauso viel Stickoxid ausstoßen, wie vorher. Das KBA selbst ist der Meinung, dass die Updates wirken. Das wundert jedoch nicht, stand es doch im Dieselskandal bisher auch eher auf der Seite der Autobauer, denn auf der der Verbraucher.

Die Software Updates haben jedoch, selbst wenn sie ihre geplante Wirkung entfalten, weitere Nachteile für viele Fahrer. Denn diese berichten von einem erhöhten AdBlue- oder Spritverbrauch, von einer nachlassenden Leistung und von kaputten VGR-Ventilen. Die Hersteller selbst sagen natürlich, dass das Update keinerlei negative Veränderungen an den Autos hervorrufen wird. Doch auf der anderen Seite verteidigen sie sich damit, dass die beanstandeten Abschalteinrichtungen zum Schutz des Motors nötig seien. Nun wollen sie also Update entwickelt haben, mit denen die Abschalteinrichtung entfernt wird, ohne das Nachteile zu befürchten sind? Wenn es so einfach möglich wäre, hätten sie die unzulässigen Abschalteinrichtungen gar nicht erst benötigt.

Auch Gerichte zeigen sich regelmäßig nicht überzeugt von den Updates. Der Mangel des Fahrzeugs sei auch mit einem Update nicht behoben, zumal die Fahrer mit unklaren Langzeitfolgen rechnen müssten.

Hardware-Nachrüstung oder Software-Update?

Betroffene Fahrer im Mercedes Dieselskandal müssen sich fragen - reicht ihnen das Software-Update oder wollen sie für das Auto auch eine Hardware-Nachrüstung in Anspruch nehmen?

Beim Software-Update hat man - je nach Betroffenheit - kaum eine Wahl. Autos die von einem Pflichtrückruf betroffen sind, müssen das Update bekommen, sonst droht die Stilllegung. Handelt es sich nur um eine Einladung zur freiwilligen Kundendienstmaßnahme kann man diese ausschlagen - aus technischen Gründen sollte das Update möglichst nicht aufgespielt werden, raten Anwälte.

Wer jedoch in einer von Fahrverboten betroffenen Stadt lebt, beispielsweise Stuttgart, dem bleibt kaum eine Wahl, will er sein Auto weiter nutzen. Abgesehen davon, helfen Sie mit einer Nachrüstung, dem Wertverlust Ihres Fahrzeugs entgegen zu wirken und leisten einen Beitrag für die Umwelt und die Gesundheit Ihrer Mitbürger. Doch die Nachrüstung ist teuer, wenn man Mercedes nicht davon überzeugen kann, wenigstens einen Teil der Kosten zu übernehmen.

Ihre Rechte im Abgasskandal um manipulierte Mercedes Diesel

Wer einen Mercedes mit unzulässiger Abschalteinrichtung fährt, hat einen Anspruch auf Schadensersatz. Dabei geht der manipulierte Diesel an die Daimler AG zurück, während diese im Gegenzug den Kaufpreis (abzüglich einer Nutzungsentschädigung) erstatten muss. Kann keine illegale Abschalteinrichtung nachgewiesen werden, das Fahrzeug ist aber von Fahrverboten (bis Euro 5) betroffen, so ist eventuell der Widerruf des Autokredits und damit verbunden die Rückgabe des Fahrzeugs möglich.

Sprechen Sie uns gerne an - wir prüfen die Betroffenheit Ihres Mercedes im Dieselskandal und zeigen Ihnen Ihre juristischen Optionen auf.

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